Kamakura, here we come!

Im Laufe der Woche haben wir uns entschieden dieses Wochenende mal ein wenig mehr zu erkunden, als immer nur die Stadt Tokyo. Fabians Vorschlag nach Kamakura zu fahren, fand dabei die größte Zustimmung. Ich persönlich wäre auch mitgekommen, wäre es nur zum Schuster um die Ecke gegangen, denn in Japan wirken die einfachsten Dinge, wie Kulturschätze aus einem anderen Universum. Aber ja…, genau nach Kamakura ging es!

Anpassung ist alles!

Da wir aus unterschiedlichen Richtungen kamen, haben wir uns entschieden in Shinjuku zu treffen, da es für alle am besten zu erreichen war. Von Shinjuku gibt es mehrere Möglichkeiten nach Kamakura zu fahren. Wir entschieden uns für einen Direktzug, die Shonan-Shinjuku Line, die etwa eine Stunde benötigte. Kosten für eine Fahrt betrugen circa 900¥, also absolut vertretbar.

Rebellische Ader: Essen im Zug für Fortgeschrittene.

In Kamakura angekommen trafen wir uns noch mit einigen unserer Japanese Volunteers, die sich unserem Ausflug begeistert angeschlossen haben. Zusammen ging es dann erstmal in Richtung Kamakuras Hachimangu Shrine, die Lage auskundschaften. Heute war ein besonderes Fest und die Stadt dementsprechend voll.

Straßenverkauf von japanischen Süßigkeiten.
Ziemlich cool und so…!
Wahre Bromance, die sich hier gebildet hat!
Noch wussten wir nicht WIE voll es sein würde.

Der Tsurugaoka Hachimangu ( 鶴岡八幡宮) stellt den wichtigsten Schrein in Kamakura dar. Er wurde 1063 gegründet und dem Gott Hachiman gewidmet. Hachiman ist der Patron der Minamoto Familie (die Gründerfamilie des Schreins) und beschützt allgemein die Samurai in Japan.

Das Foto habe ich später gemacht, ansonsten hätte man den Platz vor lauter Leuten nicht gesehen.

Der Grund warum heute so viele Menschen zum Schrein strömten, war das Setsubun (節分) Fest. Jedes Jahr am 3. Februar feiern die Japaner das vorläufige Ende des Winters und der Abwehr von bösen Oni (鬼 – japanische Dämonen). Die Häuser und Familie sollen für das kommende Jahr mittels Durchführung bestimmter Traditionen und Riten, von Unglück gereinigt werden.
Der 3. Februar kennzeichnet gleichzeitig den letzten Tag der Daikan (大寒 ), der „großen Kälte“ und obwohl im ganzen Land dazu Feste abgehalten werden, ist es kein gesetzlicher Feiertag.

Allmählich wird es voll!

Es gibt verschiedene Riten, die an diesem Tag in Japan durchgeführt werden. Welche wir kennengelernt haben, war das Mame-maki ( 豆まき ), das Bohnenstreuen. Man wirft dabei Bohnen auf einen Menschen, der sich als Oni verkleidet hat und ruft dabei die Worte: “ Oni wa soto! Fuku wa uchi! ( 鬼は外!福は内 )“, was übersetzt etwa „Hinfort Dämon, Glück komm ins Heim“ bedeutet. Auch in den Häusern und Wohnungen der Familien wird dieses Ritual durchgeführt. Dabei können statt auf einen verkleideten Oni, die Bohnen auch einfach in bestimmte Richtungen geworfen werden.

Sieht auf Bildern nicht so steil aus, wie sie aber war.

Wir entschieden uns zunächst dazu die Stufen zum Schrein zu erklimmen und uns von oben weiter umzusehen. Und diese Treppe war tatsächlich ein kleines Hindernis. Auf den Bildern lässt es sich leider schlecht sehen, aber sie war wirklich sehr steil. Da ich meine Flugkünste mittlerweile schon oft unter Beweis gestellt habe, entschied ich mich alleine hochzuwagen und dabei minutiös auf jede Stufe acht zu geben.

Obligatorisches Ich-war-hier-Beweisselfie

Ich kam unverletzt und beim ersten Versuch oben an.

Wir haben es geschafft, yay!
Wünsche von Besuchern.

Nachdem wir uns die Anlage genau angesehen und dem Schutzgott unseren Respekt gezollt hatten, wanderten wir auf der linken Seite wieder nach unten und entdeckten dabei eine kleine Gartenanlage.

In der Anlage entdecken wir neben einem Teehaus noch eine ganz besondere Attraktion, die es auf ihre Art nur hier in Kamakura geben kann und der wir alle begeistert Respekt zollten! Man beachte, wie jeder Fotograf seine Kamera auf Anschlag bereithält, um ja keinen Augenblick zu verpassen!

Kameras sind auf Anschlag!

Für alle, die nicht erahnen um welche Sensation es sich auf dem hier vorliegenden Bild handelt, nochmal eine Nahaufnahme:

Ladies and Gentlemen! Ein EICHHÖRNCHEN!

Nachdem wir wieder am Fuße des Schreins angelangt waren und die Schlange vor dem Schrein desaströs lang geworden war, entschieden wir uns demokratisch dazu, doch erst in einem Restaurant etwas zu Mittag zu essen. Und demokratisch hieß in diesem Fall, die Herren der Schöpung (heute in Unterzahl) hatten Kohldampf und ihre Stimmen zählten dadurch doppelt.

Die Schlange ging sogar noch um eine Ecke…

Auf dem Weg zum Restaurant habe ich mich mit Mariko ein wenig über die letzte Sprachstunde unterhalten. Sie ist bei uns in der A-Class Volunteer und ist eine der liebsten Personen, die ich jemals kennengelernt habe. Dadurch habe ich unterwegs auch noch einige nützliche Ausdrücke kennengelernt und alles über das Setsubun erfahren, was ich bereits weiter oben erzählt habe.

All together!
Und an diesem Tag wusste ich… Tempura ist mein neues Lieblingsgericht!

Nach einem ausgedehnten Mittagessen machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück zum Tempel. Dabei gingen wir noch einen kleinen Umweg durch die Stadt um uns die verschiedenen Auslagen anzuschauen. Dabei sollte ich anfügen, dass ich glücklich bin als Teil einer Gruppe hierher gekommen zu sein, denn ansonsten hätte ich den Großteil des Tages in einer der zahlreichen Einkaufstraßen verbracht. Ganz im Ernst.

Fotograf bei der Arbeit.

Leider mussten wir zurück an der Schreinanlage feststellen, dass die Feierlichkeiten bereits vorbei waren und die Mitarbeiter sich schon ans Aufräumen des Geländes machten.

Während wir noch ein wenig betrübt davon herumstanden, dass wir die Feierlichkeiten verpasst hatten, hatte ich mich ein wenig von der Gruppe weggedreht um den Schrein näher zu betrachten. Fabian hatte sich in der Zwischenzeit meiner Kamera bemächtigt und so versuchte ich mir die Umgebung ohne Linse vor den Augen anzuschauen. Ein älterer Japaner rannte mich dabei fast um, der offensichtlich verzweifelt versuchte meine Aufmerksamkeit zu erlangen, was ich nicht eher geblickt hatte. Er redete fröhlich auf Japanisch auf mich ein, ignorierte mein verwirrtes Gesicht und bat mich schließlich meine Hände auszustrecken. Perplex tat ich, wie mir geheißen und er lud mir mehrere kleine Säckchen auf. Dann verabschiedete er sich gut gelaunt und setzte seinen Weg fort. Immerhin schaffte ich es noch mich zu bedanken, bevor er weg war. Ich drehte mich zu den anderen um und zeigte ihnen die Säckchen. Unsere Volunteers jubelten begeistert auf und kurz darauf stellte sich heraus, dass es sich dabei um die Bohnen handelte, die man zum Setsubun um sich warf. Auch einer der Jungs hatte von einer älteren Dame ein paar in die Hand gedrückt bekommen und so gab es am Ende für jeden ein paar Bohnen zum werfen.

Und so bekamen wir alle noch ein paar Bohnen zum Werfen.

Übrigens haben sich an diesem Tag eine Vielzahl unserer Gruppen Insider Witze gebildet. Einer davon ist „Ville, der Bärentöter“. Ich gehe mal nicht weiter darauf ein, aber Fakt ist, dass dieser Junge alle paar Meter verloren geht. Wir wissen nicht wieso, weshalb oder wie – aber früher oder später passiert es immer. Meistens fällt es Aske oder mir zuerst auf und wir halten dann die Gruppe an, bis unser Aka-chan wieder zurückgefunden hat.

Erfolgreich von der Bärenjagd zurückgekehrt.
Expertentipps werden ausgetauscht.

Eine weitere Lagebesprechung stand an. Diesmal: Wohin sollten wir weiterziehen? Da ich meine Kamera zurückerobern konnte, habe ich anstatt mitzustimmen, lieber die Umgebung fotografiert.

Lagebesprechung und keiner bemerkte den süßen Hund!

Die anderen hatten sich in der Zwischenzeit darauf geeinigt, zum Kencho-ji (建長寺) weiterzugehen. Also hieß es erstmal ein wenig durch die Gegend wandern!

Der Kencho-ji ein buddhistischer Tempel und wurde im Jahr 1253 gegründet. Er gehört der Rinzai-Schule des japanischen Zen an und ist einer der einflussreichsten Tempel Japans. Über das ganze Land sind noch 500 weitere Zweigtempels verstreut

Kencho-ji Sammon

Seit heute trage ich übrigens einen Beinamen: Banana-girl. Zu verdanken habe ich ihn einer Banane. Einer blöden Banane, die im ungünstigsten Augenblick überhaupt aus meiner Tasche geflogen ist. Ob es die Geschichte einmal auf den Blog hier schafft, lasse ich erstmal noch offen.

Elende Banane.
Obligatorisches Gruppenselfie (es fehlen ein paar).
Ausblick von der Terasse auf den Teich Sanpekichi

Für die Innenräume mussten wir wieder unsere Schuhe ausziehen, wie es in fast allen größeren kulturellen Stätten der Fall ist. Unsere Vorhut ist erstmal mit Schuhen reingelaufen und wurde aber sehr schnell von einem Aufseher zurückgepfiffen. In Japan kann man wirklich jederzeit in eines der zahlreichen Gaijin-Fettnäpfchen treten.

Fotografen unter sich.

Nach der ausführlichen Auskundschaftung der Tempelanlage brachten unsere Volunteers einen großartigen Vorschlag auf, der sofortige Zustimmung von allen Seiten fand. Das Mittagessen war schon wieder viel zu lange her und den ein oder anderen Koffeinsüchtigen dürstete es nach einem Kaffee. Also machten wir uns auf dem Weg zu einem Lokal, das eine kleine Spezialität anbot.

Was kann das sein??

Als ich das Foto in die Heimat schickte, gab es erstmal allgemeine Verwirrung. Was zum Henker isst du da? Ist das Moos in einer Holzbox? Ladies und Gentlemen, hier kommt die Auflösung -Trommelwirbel- … es handelt sich hierbei um …MATCHA-TIRAMISU (抹茶ティラミス).

Gesättigt und bereit für ein Nachmittagsnickerchen.
Spontane künstlerische Freiheit.

Das Matcha-Tiramisu hat ausgezeichnet geschmeckt. Eigentlich war der Becher viel zu schnell ausgelöffelt gewesen. Nächstes Mal werde ich direkt einen Eimer von dieser Köstlichkeit ordern.

Für dieses Tiramisu gab es ein Doppel-Like!

Allmählich neigte sich der Tag seinem Ende zu und die Dämmerung zog sehr schnell auf. Da wir es zeitlich nicht mehr zu der größten Attraktion in Kamakura schafften (dem großen Buddha), entschieden wir uns stattdessen noch an den Strand hinunterzugehen.

Auf den Weg ans Meer.

Bevor wir zurückgefahren sind, haben wir noch bei Mos Burger zu Abend gegessen und Aske und Ville hatten es kontinuierlich geschafft mich so zum Lachen zu bringen, dass ich eine halbe Ewigkeit für meinen Burger gebraucht habe.

Fazit des Tages: Kamakura ist auf jeden Fall einen Besuch wert, aber man muss definitiv mehr Zeit einplanen um alles zu sehen, was diese Stadt so bietet. Wir haben fest beschlossen noch einmal zurückzukommen und dann dem großen Buddha auch einen Besuch abzustatten

Eigentlich sind wir ja zu cool zum Zugfahren!

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