Kendo-Lesson

Heute war der große Tag, auf den sich unser Mizuki-sensei wohl schon seit Wochen, wenn nicht Monaten gefreut hat. Endlich durfte er wieder einem Kurs seine große Leidenschaft näherbringen: Kendo!

Kendo ( 剣道 ) ist eine moderne japanische Schwertsportart des 19. Jahrhunderts. Sie wurde abgewandelt von der alten Schwertkampfkunst „Kenjutsu“, die die Samurai beherrschten und auch lebten. Beide Formen sind also nicht nur Schwertkampfarten, sondern stellen eine eigene Lebenseinstellung dar. Durch Kendo sollen die Kämpfer Entschlossenheit und geistige Stärke erlernen.

Die Bogu ( 防具 ), bzw die Schutzausrüstung der Kendo-Kämpfer.

Während sich unser Sensei seine Kendo-Rüstung noch anzog und sich vorbereitete, durften wir schon einmal mit den Übungsschwertern hantieren und die Rüstung näher betrachten

Es dauerte keine 2 Minuten und wir schlugen aufeinander ein. Wir sind Freunde, ehrlich!

Diese Übungsschwerter werden Shinai ( 竹刀 )genannt und bestehen aus vier Bambus-Lamellen. Von ihrer Art her sollen sie das Tragegefühl eines Katanas simulieren, ohne im Kampf jedoch das Gegenüber ernsthaft zu verletzen.
Allerdings müssen diese Übungswaffen regelmäßig gewartet werden, damit sich keine Splitter lösen und im ungünstigsten Fall jemandem schaden. Mizuki-sensei erinnerte uns alle paar Minuten daran, dass vor einigen Jahren in Deutschland ein Unfall geschehen sei, bei dem einem Kämpfer durch seine Schutzkleidung hindurch, durch ein kaputtes Shinai tödlich verletzt wurde.

Am Anfang werden die Shinai gegeneinander geschlagen.
Sensei in seinem Element.
Zu viel Theorie. Schreit förmlich nach Erlösung durch das Kurzschwert (man beachte Villes teuflisches Grinsen)!

Im weiteren Verlauf der Stunde erklärte er uns die Einzelheiten zu den Rüstungsteilen und wie Kendo entstanden ist. Nachdem wir mit sehr viel Theorie konfrontiert wurden, entschied er sich schließlich dazu, dass wir wohl am besten am lebenden Objekt lernen würden.

Wenn sonst keiner Zeit hat, dann halt Harakiri!

Wir durften alle nacheinander auf unseren Sensei einschlagen. Was sich hier vermutlich dramatischer liest, als es eigentlich gewesen ist. Aber zugegeben, wir mussten alle erstmal unsere Hemmschwelle überwinden. Schließlich, wie bereits mehrfach erwähnt, mögen wir unseren Mizuki-sensei wirklich sehr gerne und wollten diesen alten Mann auf keinen Fall verletzen. Egal wie sehr er uns provozierte.

Diese Bildunterschrift kann man sich denken.

Nachdem wir alle einmal mit ihm im Zweikampf geübt hatten, suchte er sich Nadja als Freiwillige aus, um den Helmschutz anzulegen. Unter allgemeinen Gelächter stellte sich allerdings nach kurzer Zeit heraus, dass ihr Kopf leider ein wenig zu groß dafür war.

Passt nicht.

Woraufhin sich dann Frieder freiwillig meldete und ihm dann der Schutz angelegt wurde. Bei ihm ging unser Sensei allerdings weniger zimperlich voran und während er anfangs zur Demonstration mit dem Shinai nur auf den Helm einschlug, fuhr er plötzlich auch unter den Helm. Zu unser aller – und vor allem Frieders größter- Überraschung!

Sieht schon ein wenig nach Mumifizierung aus… (Photocredit: Nihon Daigaku)
Wer zuletzt lacht..

Aber keine Sorge! Wir haben es alle unverletzt überstanden!

Strahlender Held! (Photocredit: Nihon Daigaku)

Im Anschluss an diese aufregende Stunde waren Nadja und ich wieder in Entdeckungslaune und – wer hätte es vermutet- die Jungs mal wieder zu müde. Also machten wir uns wieder alleine auf und entschieden uns heute endlich zu einer Shopping mall zu gehen, die wir am ersten Tag durch Zufall entdeckt hatten, aber bisher noch nicht näher erkunden konnten.

Erst in dem Augenblick, als wir uns auf die Suche nach der Station begaben, die Nadja damals vorsorglich abfotografiert hatte, wurde uns bewusst wo wir hinwollten. Skytree-Passage. Der Ort, wo ich die Treppen runtergeflogen bin. Mein Bein sieht immer noch sehr mitgenommen aus, aber immerhin kann ich normal herumlaufen und auftreten. Trotzdem mussten wir beide auflachen, als wir vor dem Turm standen.

Und hier Ladies und Gentlemen… ist Mademoiselle runtergesegelt!
Nomnomnom auf vier Beinen.

Der Skytree grenzt direkt an ein Einkaufszentrum an, dem Tokyo Solamachi. Hier kann man sich sehr schnell verlaufen, gehört aber zu meinen Geheimtipps, wo man Souvenirs und andere interessante Sachen kaufen kann. Außerdem findet man hier zahlreiche Restaurants und Lebensmittelläden, die allerlei Köstlichkeiten anbieten. Außerdem sind, wie Nadja und ich es nennen, im ganzen Komplex immer wieder kleine Geheimecken versteckt.
Beispielsweise kommt man durch eine Hintertür zu einer kleinen Gartenanlage, von der aus man Tokyo überblicken kann und neben der der riesige Skytree in den Himmel ragt. Wieder durch einen anderen Gang kommt man auf einen großen Platz, der mit Lichterketten geschmückt ist und anscheinend saisonal immer wieder verändert wird. Es lassen sich noch eine Menge anderer Sachen entdecken, aber ich will hier nicht die ganze Spannung nehmen, für diejenigen die es selbst erkunden möchten

Einmal so cool zu sein, wie die Stars im Fernsehn..!

Nachdem wir sehr lange und sehr erfolgreich Läden stöbern waren, machten wir uns auf die richtige Zugstation zurück zu finden. Wie zu erwarten führte uns mein GPS wieder ein wenig an der Nase herum und wir liefen die Passage zweimal hin- und her. Schließlich pendelte es sich ein und wir konnten endlich den richtigen Weg einschlagen, bis plötzlich Nadja herumwirbelte, auf der Stelle stehenblieb und mich mit großen Augen einfach ansah. Ich befürchtete schon das Schlimmste, von „es fahren mittlerweile schon ab 19h keine Züge mehr in Tokyo“ bis zu „ich habe meine Hausaufgaben vergessen“. Stattdessen kam nur ein leises „Sonja.. ich glaube.. das Moomins Cafe ist hier in der Nähe“.
Und weil ich natürlich der netteste Mensch der Welt bin, saßen wir keine zehn Minuten später in diesem Cafe.

Das Moomin-Cafe am Tokyo Skytree

Gut, ich sehe mich an dieser Stelle genötigt eine kleine Hintergrundinfo zu den „Moomins“ zu geben. Vielleicht geht/ging es ja nur mir so, aber bevor ich nach Japan gekommen bin, war es für mich einfach eine Kinderserie die ich iiiiiiirgendwann mal gesehen habe, annehmbar fand, aber nie wirklich groß verfolgt habe. Wie ich direkt an meinem ersten Tag in Tokyo lernte, gehöre ich damit zur Minderheit hier in Japan. Tatsächlich kennen ALLE diese weißen Nilpferde und finden sie besonders süß. Ohne Witz. Man kann sie hier überall finden. Sowohl unter den Austauschstudenten, als auch den Japanern findet man zahlreiche Moomins Taschen, Moomins Handyhüllen, Moomins Anhänger, Moomins Stifte, Moomins Laptophüllen… ich könnte diese Liste ewig weiterführen.

Worauf ich hinausmöchte ist, dass die Geschichte von den Moomins hier genauso beliebt zu sein scheint, wie Snoopy und Pokémon. Die TV-Serie wurde in Japan produziert und passt aufgrund der süßen Charaktere anscheinend genau ins Beuteschema der Fans. Auch unter den Austauschstudenten sind einige Fans dabei. Besonders die Skandinavier können gar nicht genug davon bekommen. Erst ein paar Tage vorher habe ich von Ville den Grund erfahren. Die „Moomins“ sind eine Erfindung von dem schwedisch-finnischen Künstler Tove Jansson. Auch wenn sie in Deutschland bekannt sind, wurden sie bei uns weniger vermarktet, als etwa in Dänemark oder in einem der anderen Nordländer. Falls ich damit jetzt jedoch falsch liege und es auch hier in Deutschland eine große Anhängerschaft gibt, die mir bisher einfach komplett entgangen sein soll – bitte meldet euch, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Erste Bekanntschaft mit Moomintroll!
Mit Little My habe ich mich nicht so anfreunden können…

Gut, auf jeden Fall sind wir in das Cafe gegangen und haben auch glücklicherweise direkt einen Tisch bekommen. Nun möchte ich das Besondere des Cafes erwähnen, was vermutlich Zuhause wieder einige vor dem Bildschirm „Typisch Japan“ murmeln lässt: Jeder Gast bekommt hier ein riesiges Stofftier neben sich an den Tisch gesetzt, damit man in Begleitung mit den Moomins speisen kann. Immerhin ist es ja ihr Restaurant. Wenn man die Kellner*in nett fragt, bekommt man auch seinen Lieblingscharakter neben sich gesetzt. Wir waren mit unseren anfangs nicht ganz so zufrieden, daher haben wir das ausprobiert. Dass Nadja einen Liebling hat, dürfte nicht weiter verwunderlich sein, aber sogar ich erinnerte mich an meine alten Kindheitstage und das ich auch einen Favoriten gehabt hatte. Ich hab die Serie allerdings seit Jahren nicht mehr gesehen und ich weiß nicht mehr warum ich ihn so mochte. Allerdings sagt mir mein Gefühl (und ich weiß das viele meiner Freunde, insbesondere meiner Tante jetzt bekräftigend nicken werden), dass er vermutlich der Depp vom Dienst gewesen ist.

Da war Sniff schon viel besser!

Von den Preisen her war es ein wenig teurer, als wenn man sonst in Japan essen geht, aber für den Service absolut nachvollziehbar und okay! Auch das Essen hat sehr gut geschmeckt und war skandinavisch angehaucht. Da ich allerdings noch nie in einem der Nordländer gewesen bin, kann ich das auch nur aus meinen IKEA-Erfahrungen behaupten. Es gab zumindestens Köttbullar und sie haben fast genau wie daheim geschmeckt!

Und Nadja war mit Snuffkin überglücklich!

Für den Kaffee gab es auch eine kleine Überraschung des Hauses, die wir selbstverständlich solange und aus allen möglichen Winkeln abgelichten mussten, bis dieser schließlich kalt war. Hat aber trotzdem noch geschmeckt. Der kleine Mummin ist auch übrigens nicht aus Schaum, sondern war eine Art Marshmallow.

Eh Kellner, icke hab da wat im Pott drinne.

Tatsächlich hatte ich mich nach einer Weile so an meinen neuen Freund „Sniff“ gewöhnt, dass ich mich am Ende gar nicht mehr von ihm trennen wollte. Übrigens habe ich eben (da ich die Namen noch einmal recherchieren musste) auch seinen Wikipedia-Eintrag gelesen und siehe da, es heißt:

A creature who lives in the Moomin house. He likes to take part in everything, but is afraid to do anything dangerous. Sniff appreciates all valuables and makes many plans to get rich, but does not succeed.

Quelle: Wikipedia

So. War zu erwarten. Ich hatte schon immer einen sehr erlesenen Geschmack, was meine Lieblingscharaktere angeht!

Trotzdem noch zum Ende hin für alle (egal wie gut sie es kennen oder nicht), eine kleine nostalgische Erinnerung:

Leb wohl Sniff! Leb wohl mein Feigling! Mein Held!

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