Erste Uni-Woche

Wow. Wie schnell die Zeit verfliegt! Die erste Uni-Woche liegt schon hinter mir und ich hab das Gefühl, ich wäre eben erst gelandet. Die letzten Tage ist doch recht viel passiert, da bin ich mit dem Schreiben leider gar nicht hinterher gekommen. Jetzt habe ich mir aber extra ein wenig Zeit genommen, um wieder hier reinzuschreiben!

Montag

Ausnahmsweise nochmal ein freier Tag! Ab nächster Woche wird das anders aussehen! Heute wurde nochmal ausgiebig genutzt um letzte Vokabeln zu wiederholen, Wäsche zu waschen und das Zimmer aufzuräumen.

Dienstag

Endlich ging es los! Ausgeschlafen und aufgekratzt machten wir uns an diesem Morgen auf den Weg zur Uni. Dort angekommen warteten unsere neuen Studentenausweise bereits auf uns. Nun sind auch wir offiziell Austauschstudenten!

In unserem Aufenthaltsraum haben wir ein kleines Schubladensystem. Jeder hat hier eine eigene Schublade mit seinem Namen, in die die Hausaufgaben und andere wichtige Unterlagen reingelegt werden. Die Japanerinnen, die das Büro hier an der Uni leiten, sind wahre Engel. Sie erklären einem in einer Seelenruhe was man noch alles ausfüllen und abgeben muss und finden nebenbei für jeden noch nette Worte. Auch die Lehrer sind unfassbar geduldig und geben sich Mühe etwas Englisch mit uns zu sprechen.

dav
Meine ist die zweite Box von links oben! SO-NI-A

Generell haben wir jeden Vormittag unsere Sprachkurse. An diesem Tag dauerte der Kurs aber nur bis 11h, dann war schon Schluss. Grund dafür war unsere „Opening Ceremony“, eine Willkommens“feier“ der Uni für uns Austauschstudenten im neuen Semester. Uns wurde vorher mitgeteilt, dass wir uns auf Japanisch vorstellen sollten. Was uns nicht gesagt wurde, war vor wie vielen und welchen Personen. Als wir in den Saal geführt wurden, schlug mein Bauch sofort einen doppelten Salto. Es war wieder ein sehr edel wirkender Saal und vorne waren ein Rednerpult und ein Mikrofon aufgebaut. Überall standen ernst aussehende Japaner in maßgeschneiderten Anzügen (offenbar die gesamte Uni-Leitung) und unsere Lehrer hatten sich in zwei Stuhlreihen neben dem Pult positioniert.

sdr
Hier wurde die „Opening Ceremony“ abgehalten.

Ich bin generell nicht dafür gemacht, vor einer Masse von Menschen zu sprechen. Dann aber auch noch in einer anderen Sprache, in der ich mich alles andere als sicher fühle, war nochmal ein ganz anderes Kaliber. Ich hätte mich in diesem Moment am liebsten zurück ans andere Ende der Welt katapultiert. Half aber alles nichts, also Augen zu und durch.

Mein Glück brachte mich natürlich direkt an die vorderste Front und nachdem einige Herren wichtige Worte gesprochen hatten (von denen ich nichts verstand und die ich einfach hilflos-schweigend-lächelnd ertrug), wurden wir gebeten uns vorzustellen. Da ich, wie bereits erwähnt, den besten Platz zugewiesen bekommen hatte (JA! Das IST Ironie.), durfte ich als erstes nach vorne kommen. Ganz ehrlich, ich weiß nicht ob ich zu schnell oder zu leise war oder ob ich Japanisch oder Französisch gesprochen hatte, aber es war ruckzuck vorbei und ich konnte mich wieder hinsetzen und den Rest der Feier entspannt genießen.

26841396_928148680683208_5027220738345824036_o
Foto made by Nihon Daigaku

Nachmittags sieht das Programm an jedem Tag unterschiedlich aus. Dienstags haben wir die Auswahl zwischen der „Creation“-Class, in der Videos gedreht werden und von denen mir meine Mitbewohnerinnen abgeraten haben, da es sehr arbeits- und zeitaufwändig wäre,- und „Interculture Experience“-Class, die sich in den ersten sechs Wochen mit Kimono-Dressing beschäftigt und die darauffolgenden 5 Wochen mit typischen Japanischen Speisen. Ich habe mir beide Einführungskurse angesehen, obwohl mir von Anfang an klar war, dass ich in Kimono-Dressing gehen wollte. Als ich dann aber in den Einführungskursen saß, wurde ich doch unsicher.

Ich diskutierte mit den anderen Studenten, die sich auch nicht entscheiden konnten und schließlich gewann doch mein Fotografen-Herz die Oberhand. Also ab in die Creation-Class. Hoffentlich war es die richtige Wahl, noch kann ich das nicht genau sagen.

Immerhin ganze vier Leute waren wir dann im Kurs und unser Dozent (der sich wirklich Mühe gab etwas Englisch von sich zu geben) erklärte uns alles mögliche. Die Struktur dahinter hat sich mir nicht offenbar, selbst wenn ich sein Japanisch verstanden hätte. Er zeigte uns verschiedene Videos auf Youtube, darunter japanische Food-Trends, ein Video über einen Lehrer, der über seine Bestimmung zu Lehren redete und schließlich ein Dubstep-Video. Zusammenhang? Gab’s nicht.

dav
Japanische Tastatur.

Auf einmal wurde es still und ich hatte das deutliche Gefühl das ein Arbeitsauftrag gegeben wurde. Die anderen waren aber einfach auf Youtube unterwegs und schauten sich irgendwelche Videos an. Ich war verwirrt, wollte aber nicht beim Dozenten nachfragen und hakte daher bei meinem Uni-Freund nach. Die Antwort „Wir sollen ein Video anschauen, was wir mögen“ half mir nicht sonderlich weiter, aber ich dachte es würde eh nicht weiter auffallen und klickte mich einfach mal durch das Japanische Youtube durch – bis unser Dozent erklärte, wir sollen ihm die Links zu unseren Videos schicken, er möchte sie allen zeigen. Ein Student hatte ihm bereits einen Link zugeschickt und es öffnete sich ein interessantes Video über einen Restaurant-Tester in Japan. Himmel! In leichte Panik versetzt, versuchte ich nachzudenken: Ein Video über Japan, was ich interessant finde und was es wert ist zu zeigen? Die Zeit raste und ich konnte nicht anders als nur an das letzte Video denken, worüber wir im Japanisch-Kurs zuhause kaputt gelacht hatten. Ich beschloss zumindest mal danach zu suchen. Das nächste Problem war: Der PC hatte eine japanische Tastatur. Wäre kein Problem gewesen, wären nicht alle Buchstaben sofort in Hiragana (Schriftzeichen) umgewandelt worden. Das Anmelden im E-Mail Programm hat sich dadurch etwas schwierig gestaltet. Irgendwie, mit ganz viel Glück und sehr wenig Verstand in diesem Moment, habe ich es geschafft ihm den Link dann doch zuzumailen und Minuten später öffnete sich (nachdem wir vorher besagtes Essens-Videos gesehen haben, sowie die Aufzeichnung des rituellen Bogenschießens in Japan), eine Musical-Werbung, die auf Japanische Art unterhaltsam und komplett am Thema vorbeigeschlittert war. Immerhin musste der Dozent beim Anschauen breit Grinsen und er akzeptierte meine Antwort, warum ich ausgerechnet das ausgewählt habe („Ich fands lustig“).

dav
Auch noch in ganz groß: Lieblingswerbung

Ich kann das Video nur empfehlen, es ist ein ziemlicher Ohrwurm und typisch Japanisch und man erfährt erst am Ende des Kurzfilms, für was eigentlich hier Werbung gemacht wurde, wie bei den meisten Japanischen Werbespots der Fall ist:

Japanese Commercial: Kasaneteku

Mittwoch

Mittwochnachmittag ist Mizuki-Nachmittag! Er ist Professor an unserer Uni und wird uns über verschiedene japanische Themen, wie zB Zen-Meditation oder Kendo, unterrichten.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, erklärte er uns Japanische Essgewohnheiten und welche Do’s and Don’ts es beim Essen so alle gibt. Beispielsweise darf man seine Essstäbchen niemals in die Reisschüssel reinstecken, da das ein Ritual ist, welches ansonsten nur auf Beerdigungen gemacht wird. Man darf nicht mit seinen Stäbchen (die im Japanischen übrigens „Hashi“ / genannt werden) auf andere Leute zeigen und nicht Sushi von einem Stäbchen zum anderen weitergeben. Das ist eine sehr intime Angelegenheit und wird auch bei Ausländern nicht gerne gesehen. Wem am Tisch die Nase läuft, sollte sie einfach hochziehen oder sich kurz auf die Toilette zurückziehen. Es ist sehr unhöflich sich am Tisch oder in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen (dennoch machen es auch die Japaner, wenn es nicht anders geht).

Um das ganze ein wenig praktisch zu üben, bekamen wir alle Stäbchen, ein paar Bohnen und einen Becher. Der Professor gab uns einmal 5 und einmal 10 Sekunden und stoppte die Zeit, um zu sehen wie viele Bohnen wir in den Becher befördert hatten. Mit meinen 2 Bohnen in 5 Sekunden und 4 Bohnen in 10 Sekunden lag ich etwa im Mittelfeld des Kurses.

dav
Wie viele Bohnen bekommt man in 5 Sekunden in den Becher?

Ursprünglich war der Plan, nach dem Unterricht noch mit einem anderen Studenten in ein Maid-Cafe nach Akihabara zu fahren. Allerdings waren wir beide nach dem Tag so platt und es hat stark geregnet, sodass wir es erstmal verschoben habe. Aber keine Sorge: Früher oder später widme ich dem ganzen noch einen eigenen Artikel!

dav
Regen in Ichigaya – Soooo schön!

Aktuell geht die Influenza in Japan um. Nadja hatte es jetzt richtig erwischt und musste das Bett hüten. Unser Dorm-Manager eskalierte dezent, nachdem sie ihn nach einem Fieberthermometer gefragt hatte. Offenbar hat er ihr daraufhin zuerst eine Maske entgegen geworfen, sie dann auf ihr Zimmer geschickt und fast im gleichen Atemzug noch mit einer Desinfektions-Sprühflasche auf alles gezielt, was sie berührt hat.

Seitdem hören wir ihn jeden Abend auf dem Flur herumschleichen und jede Tür einzeln einsprühen und abwischen. Es ist in den letzten Tagen fast schon zum Abendritual geworden, im Bett zu liegen und auf einmal ein „Zrsch, Zrsch“ an der Tür zu hören, gefolgt von einem Quietschen, wenn er die Tür abputzt.

dav
Wie Zuhause: Lernen im Bett mit Schokolade und Mineralwasser!

Donnerstag

Die Sprachkurse sind sehr anspruchsvoll, aber machen gleichzeitig eine Menge Spaß. Unsere Gruppe besteht aus insgesamt 4 Personen, 3 Jungs und 1 Mädel (c’est moi) und somit können sich unsere Dozenten für jeden genügend Zeit nehmen und es kommt jeder dran. Einen so effektiven Kurs hatte ich schon lange nicht mehr. Wir verstehen uns untereinander auch alle sehr gut, dadurch ist das Lernklima gleich nochmal besser und wir können mit viel Spaß an die Sache rangehen.

dav
In der Mittagspause ein wenig von Ichigaya ansehen.

Nachmittags hatten wir wieder die Möglichkeit zwischen verschiedenen Kursen zu wählen. Dieses Mal habe ich mich nicht irritieren lassen und mich direkt für „Autonomes Lerntraining“ entschieden. Dort bekommen wir Lerntechniken erklärt und sollen selbstständig an unseren Schwächen arbeiten. Ich bin gespannt wie es kommende Woche aussieht. Diesmal haben mir noch zwei Studi-Kollegen Beistand geleistet, aber beide waren sich noch nicht sicher ob sie den Kurs wirklich belegen wollen. Vielleicht werde ich dann Privatunterricht bekommen, wäre ja auch mal ganz lustig!

dav
Geliebtes Harajuku!

Nach dem Unterricht stellte ich fest, dass ich als einzige schon Uni aus hatte und beschloss kurzerhand ein wenig abenteuerlustig zu sein und zum ersten Mal alleine durch Tokyo zu fahren. Anfangs lief auch alles hervorragend. Ich war ein wenig in Harajuku durch die Läden bummeln gewesen und es war bereits Abend, als ich mich auf den Rückweg machte. Euphorisch stieg ich in Harajuku in den Zug nach Shinjuku und wollte dort in unsere Linie wechseln, die direkt nach Hause fährt. Dumm nur, dass ich vergessen hatte, was  mein Japanisch Landeskunde-Dozent immer extra betont hatte: Die Station Shinjuku ist mit über 3 Millionen Reisenden pro Tag, einer der verkehrsreichsten und somit verwirrendsten, Bahnhöfe weltweit. Er selbst habe dort einmal zwei Stunden verbracht, weil er nicht mehr rausgefunden habe.

Schön. Ich hatte es also geschafft mich in einem Bahnhof zu verlaufen. Nachdem ich fast 25 Minuten umhergeirrt bin, habe ich schließlich (mit der Hilfe eines Stationwärters) doch noch die richtige Linie gefunden. Aber es ist trotzdem ziemlich unübersichtlich und ich war nicht die einzige die dort ratlos mitten im Gedränge stehengeblieben ist. Auch viele Einheimische haben Probleme sich hier zurechtzufinden. Beruhigend, aber macht die Situation auch nicht viel besser!

Freitag

Uuuund schon ist die Woche um! Freitags ist unser kurzer Tag, an dem wir nur bis 12:10h Uni haben und das Wochenende steht vor der Tür -Hurra!

Außerdem war es ein besonderer Freitag! Ich hatte Geburtstag und meine beste Freundin hatte ihre Reise extra so geplant, dass wir uns an diesem Tag in Tokyo treffen konnten!

Nach der Uni ging es dann erstmal mit ein paar Mädels in eine Karaoke-Bar nach Ichigaya, wo es ein All-You-Can-Drink gab und eine Softeis-Maschine, von der man sich so viel nehmen konnte, wie man wollte (und wie der Bauch es schaffte)! Auch am anderen Ende der Welt ist eines der beliebtesten (fremdsprachigen) Lieder „99 Luftballons“, was Alisa und ich natürlich mit voller Inbrunst zusammen sangen.

mde
Karaoke in Ichigaya!

Abends gab es dann in Shibuya das große Wiedersehen mit Nathalie direkt bei Hachiko! Sie und ihr Freund werden noch bis Ende Januar gemeinsam hier sein, bis er dann zurück nach Österreich fliegt und sie allein auf große Asien-Reise geht! Sollte sie auch einen Blog machen, werde ich ihn hier natürlich noch für alle Interessierten promoten, denn das wird mit Sicherheit ziemlich interessant und spaßig werden!

IMG_20180120_004200
Mario und Luigi!

In Shibuya haben wir uns dann auf die Suche nach einem Restaurant begeben und (auf besondere Bitte von Nathalie hin) uns ein italienisches Lokal ausgesucht. Hier gab es All-You-Can-Eat Pizza und Pasta vom Buffet für knapp 14€. Weiterempfehlen würde ich es nun nicht gerade unbedingt, aber so viel Pizza wie möglich essen zu können, hatte schon etwas für sich!

dav
Pizza, Pasta, Mmhhh….

Nachdem wir dann noch ein wenig durch das Viertel gestreift sind, schlossen wir den Abend mit einem kurzen Besuch im Purikura-Land und einem Mini-Shooting auf der Shibuya-Kreuzung ab.

IMG_20180120_004305
Unzählige Anläufe, bis dann doch ein passables Foto dabei war!
dav
Hachiko! ❤

4 Gedanken zu “Erste Uni-Woche

    1. Danke für deine Nachricht Jeanette! 😀
      Im Moment muss ich ein wenig aufholen, die Zeit rauscht nur so an mir vorbei.., aber es ist immer noch wunderschön!
      Ich hoffe dir geht es gut! 🙂

      Liken

    1. Huhu und vielen Dank für deine Nachricht!
      Ja, stimmt! Je hängt viel davon ab, welches Programm man mitmacht! 🙂
      Danke und dir auch ganz viel Spaß weiterhin! Ich hab mal angefangen deinem Blog zu folgen! LG Sonja

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s