Survival-Tipp: Rush-Hour

Unzählige Reiseführer, viele Landeskundekurse und noch mehr nette Menschen haben mich im Vorfeld immer wieder darauf hingewiesen: Nimm dich vor der Rush-Hour in Japan in Acht.

Nein, ich habe diese Warnung nicht ignoriert. Ja, ich hatte ein wenig Sorge vor meiner ersten Rush-Hour. Aber dennoch hat mich meine erste Begegnung mit ihr doch fast umgehauen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hach, wie schön ist das Leben, wenn man einen schwachen Kreislauf hat.

Nach drei Tagen in Tokyo und täglichen Pendelns im Nahverkehr, habe ich eine Routine rausbekommen, wie sie sich am bestmöglichsten aushalten lässt. Aber hey, diese Tipps haben mir geholfen, ich übernehme aber keine Gewähr das sie bei jedem anderen auch funktionieren. Außerdem gelten sie für die Wintermonate. Der Sommer wird vermutlich GANZ anders aussehen und obwohl ich lieber hier bleiben würde, bin ich doch froh, dass ich DAS nicht erleben muss. Noch nicht.

1. Die Hauptstoßzeiten liegen zwischen morgens zwischen 7 und 9am und abends zwischen 5 bis 7pm. Versucht diese Zeiten zu meiden oder wenn möglich eine frühere oder spätere Verbindung zu nehmen.

2. Vor der Fahrt viel Wasser trinken (für alle, die wie ich einen miesen Kreislauf haben)!

3. Im Winter in der Station Schal, Mütze, Handschuhe etc in die Tasche packen bzw ausziehen. Jacke öffnen. In der Bahn wird es nach einiger Zeit sehr warm werden und vermutlich werdet ihr eure Hände nicht benutzen können.

4. Wenn die Bahn einfährt, solltet ihr darauf achten WO ihr einsteigt. Auf dem Boden sind in allen Bahnhöfen und Stationen Markierungen auf den Boden, die euch die Länge eines Zuges und die der Waggons anzeigen. In Japan ist es unausgesprochene Regel, dass man sich in eine Reihe stellt und nacheinander in den Zug einsteigt – egal wie voll der Bahnsteig ist.

5. In der Bahn natürlich bestenfalls einen Sitzplatz suchen, wobei das wohl eher die Ausnahme sein wird. Ansonsten weiter in den Wagen gehen und versuchen einen Stehplatz mit Haltegriff zu bekommen. Haltegriffe sind Gold wert. Eine andere Möglichkeit ist es direkt neben der Tür in der kleinen Ecke stehenzubleiben, da die Masse sich hier vorbeidrückt.

6. Taschen verstauen. Entweder auf der Ablage oder zwischen die Beine klemmen. Aber auf keinen Fall Rucksäcke anlassen. Nicht nur das es in Japan sehr unhöflich ist, es kann auch für euch unangenehm werden, sobald die ersten anfangen zu drücken und euch das Gewicht zusätzlich nach vorne drückt.

7. Ablenkung. Neben einem festen Stand das wichtigste, wie ich finde. Meine Bluetooth-Kopfhörer haben mir in Tokyo so ziemlich jedes Mal das Leben gerettet. Ich habe mir eine extra Playlist für die Fahrt erstellt, damit ich zwischendurch nicht das Handy aus der Tasche holen oder an den Kopfhörern umschalten musste. Wäre auch meistens nicht gegangen, weil die eine Hand meistens krampfhaft am Haltegriff festhing und die andere irgendwo zwischen Japanern festgeklemmt war.

8. In den Zügen in Japan ist es außerdem ungeschriebenes Gesetz, dass man kaum oder nur sehr leise redet. Natürlich hat man als „Gaijin“ seine ‚Konnte ich nicht wissen‘- Ausrede, aber dennoch merkt man wie die Leute um einen herum, innerlich die Augen verdrehen. Einzige Ausnahme in diesem Fall sind lustigerweise junge Schüler oder alte Frauen, von denen wird nicht erwartet, dass sie sich daran halten.

9. Keinen – ich betone- keinen Blickkontakt mit Japanern suchen. Macht es einfach nicht. Glaubt mir. Lasst es.

10. Ich hoffe ihr habt diese Liste erst durchgelesen, bevor ihr in den Zug gestiegen seid, denn da ich den Eintrag im Affekt geschrieben habe, ist mir gerade erst etwas grundlegendes eingefallen. Japaner schwitzen kaum oder gar nicht. Was wiederum bedeutet, man riecht sie fast gar nicht. Was im Umkehrschluss jedoch bedeutet, wenn ihr euch sehr stark einparfümiert oder kein Deo benutzt, wird man euch sehr schnell als Geruchsquelle ausfindig machen und einen der typischen „innerlich-augenverdrehend-und-„those-gaijins“-seufzen“- Blicke geben.

Es sind wie bereits gesagt, alles meine persönlichen Erfahrungen und mögen bestimmt für den ein oder anderen ein wenig übertrieben wirken. Aber ich hoffe das meine Tipps doch jemanden helfen. 😉

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Und so sieht eine entspannte Fahrt aus.

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