Tokyo im Kontrast

Wochenende! Einige Mädels aus dem Wohnheim hatten einen Ausflug ins Nezu-Museum geplant, dem ich mich begeistert anschloss. Kunst und Japan vereint. Großartig!

Bevor es ins Museum ging, holten wir uns noch in einem Supermarkt um die Ecke eine kleine Stärkung. Im Moment habe ich die abgepackten Onigiris für mich entdeckt, die man für circa 1€ bekommt und die einen für einige Stunden sattmachen können. Generell wirkt das ganze Sortiment der Supermärkte fremdartig. Zwischendrin findet man aber auch europäische Getränke, wie Redbull, Monster oder Cola. Von anderen Austauschstudenten hab ich schon gehört, dass die Drinks in Japan einen höheren Koffein-Gehalt aufweisen, als in anderen Ländern. Bisher habe ich aber keine Quelle finden können, die das bestätigt. Dennoch muss ich zugeben, dass die normale Cola hier ein wenig anders schmeckt. Aber ob das wirklich am Koffeingehalt liegt? Wer weiß.

Das Museum von außen.
Das Museum von außen.

Achtung, der nächste Abschnitt ist sehr kunstlastig – wer darauf keine Lust hat, möge einfach weiterscrollen, bis das nächste Bild auftaucht!

Das Nezu-Museum ist ein privates Kunstmuseum in Minato und stellt überwiegend Exponate der Vormoderne aus. Der Eintritt ins Museum kostet für ausgewiesene Studenten 1100¥ (ansonsten sind es 1300¥) und lohnt sich für alle Kunstliebhaber. Vom 10. Januar bis zum 12. Februar 2018, ist hier die Sammlung „Ink and Gold: Paintings of the Kanō School“ („Tinte und Gold: Malereien der Kanō-Schule“) ausgestellt.

Die Kanō-Schule (狩野派) ist eine eigene Schule der japanischen Malerei und hatte ihre Schaffenszeit von der Mitte des 15. Jahrhunderts, bis zum späten Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr gehörten Maler der gleichnamigen Familie an, allerdings auch einige Meister-Schüler. Gründervater und erster Meister der Kanō-Schule war Kanō Masanobu (1432-1530) aus Kyoto.

Die Hauptschaffenszeit reichte von circa 1570 bis 1600. Neue Machthaber ließen damals in Japan prunkvolle Paläste erbauen und deren Innenräume aufwändig einrichten und verzieren. Ein besonderes Augenmerk lag auf den inneren Schiebetüren und Stellschirmen. Diese mussten besonders beeindruckend bemalt werden. Während bei der Gründungszeit der Kanō-Schule vor allem Wert auf eine monochrome Malweise gelegt wurde, dominierten nun farbenprächtige Malereien aufgetragen auf Golduntergrund. Die Maler der Kanō-Familie waren besonders beim Shōgun (Titel eines führenden Generals aus dem Kriegsadel der Samurai), beliebt und erblich akkreditiert.

Ich muss zugeben, dass ich mit alter japanischer Malerei tatsächlich nicht so viel anfangen kann, wie mit gleichaltrigen Werken aus Europa. Es ist interessant die Bilder zu betrachten und die verschiedenen Pinseltechniken zu studieren, aber wirklich in das Bild versinken, wie ich es bei vielen europäischen Malern oft kann, schaffe ich hier leider nicht. Das habe ich spätestens in dem Moment eingesehen, als mir bewusst wurde, dass das einzige Gemälde, was mir in diesem Museum wirklich gut gefallen hatte, aus England stammt. Dennoch haben die alten japanischen Meister ein besonders gutes Auge für Landschaften besessen und viele der Bilder zeugten von einem Humor, dem man ernsten Künstlern nicht zugetraut hätte. Ein kleines Beispiel habe ich mal rausgesucht: „Owl and Rooster“

Die Steinplatten bilden einen verschlungenen Weg durch den Garten.
Die Steinplatten bilden einen verschlungenen Weg durch den Garten.

Nachdem wir uns innen alles angesehen hatten, gingen wir in den Außenbereich des Museums. Zusätzlich zu den wechselnden Sonderausstellungen, hat es einen sorgsam angelegten Garten, in dem immer wieder verschiedene Elemente des Buddhismus auftauchen. Von einer Tafel erfuhren wir, dass der gesamte Platz während des zweiten Weltkrieges komplett zerstört wurde und in den darauffolgenden Jahrzehnten langsam wieder aufgebaut wurde.

sdr
Überall am Wegesrand findet man Steinstatuen.Ein kleiner Steinpfad führte uns in das Dickicht des kleinen Waldes vor uns hinein und wand sich dann einen Abhang hinunter.

Auf dem Weg nach unten fanden wir zahlreiche Steinmonumente und Buddhafiguren aller Größen, auf denen japanische Münzen lagen. Solche Statuen werden verwendet, um Meditationsstellen zu befestigten und somit Menschen einen Zugang zu den Lehren Buddhas zu erleichtern. Diese Figuren zeigen Buddha immer in einer Phase der Erleuchtung und sollen den Betrachter gelassener stimmen.

dav
Die Buddha-Figur soll Gelassenheit ausstrahlen. Entspannt.
sdr
Die Figur sah deutlich weniger entspannt aus!

In Deutschland wurde mir von einem Japaner nach einer Teezeremonie einmal erklärt, dass man in einem Zen-Garten alle Steine auf seinem Weg benutzen und keinen überspringen solle. Konzentriert man sich eher darauf alle Steine auf dem Pfad auch wirklich mitzunehmen, ist man eher auf auf seine eigenen Schritte fokussiert und widersteht Versuchungen. Ob es wirklich hilft, kann ich nicht beurteilen, aber immerhin macht es Spaß wirklich alle Steine zu erwischen!

sdr
Idyllisch.
sdr
Mitten im Garten lässt sich ein japanisches Teehaus finden. Hatte aber leider geschlossen.

Nach unserem ruhigen Ausflug ins Museum und den Garten, zog es uns wieder zu den aufregenderen Gegenden in Tokyo. Nach einem kurzen Zwischenstop in Harajuku, ging es diesmal in das riesige Elektronikversessene Viertel Akihabara! Der Traum schlechthin für Anime- und Mangafans!

sdr
Ein Hochhaus reiht sich hier ans nächste!

Auf den Straßen herrschte reges Treiben und überall waren bunte Lichter. Die Wände der Hochhäuser waren überwiegend mit Mangafiguren beklebt und im Licht der untergehenden Sonne, fingen die ersten Reklametafeln aufzuleuchten. Ein Laden war an den anderen gereiht und aus den dazwischen liegenden Spielhallen dröhnte laute Musik. Alle zehn Meter standen junge Frauen und warben für die unzähligen Maid-Cafes.

sdr
Deutlicher Kontrast zum ruhigen Garten: Akihabara ist ein lautes Pflaster!

Da sich nicht alle gleichermaßen für Anime und Co. begeistern konnten, zogen Alisa (auch aus Deutschland) und ich, alleine weiter. Erster Zielpunkt war ein Kaufhaus, das mit Merchandise auf jeder Etage nur so vollgequetscht war. Ich war im siebten Himmel! Nachdem ich mich die letzten Tage erfolgreich an mein Sparvorhaben von wegen 35,-€ beim Shopping zurückgehalten habe, gab es für mich nun leider doch kein Bremsen mehr. Wobei leider hier doch das falsche Wort ist. Es gab alles was mein Fangirlherz höher schlagen lässt. Hach!

dav
Schnapp‘ sie dir alle!

In den Kaufhäusern sind auf einem Stockwerk jeweils mehrere kleine Shops nebeneinander gequetscht. Man merkt nach spätestens der zweiten Etage, worunter sich die verschiedenen Läden unterscheiden und ab wann man sich in einem anderen befindet.

dav
So sieht es in den meisten Läden aus: Schlüsselanhänger neben Schlüsselanhänger…

Eines der größeren Kaufhäuser war das Mandarake. Zugegeben, ich wäre niemals alleine auf den Gedanken gekommen in dieses Gebäude zu gehen. Von außen sah es äußerst ominös aus und von innen noch viel mehr. Im Erdgeschoss befand sind eine Ankaufstelle, da auch Second-Hand-Sachen verkauft werden. Für mich machte das alles eher den Eindruck eines Hintergassenzimmers und ich fühlte mich sehr an die Reeperbahn in Deutschland erinnert. Alisa ging jedoch zielstrebig durch die Kartonreihen hindurch und als ich ihr folgte, kamen wir an einem wirklich alten und wenig vertrauensvoll ausehenden Aufzug an. Wir fuhren bis in das oberste Stockwerk (7F?) und arbeiteten uns von oben nach unten. Jedes Stockwerk hatte sein eigenes Thema. Ganz oben gab es vor allem gebrauchte Animefiguren, weiter unten Manga für Frauen und die Abteilung Manga für Herren ließen wir lieber komplett aus. Mir reichte bereits das große Hentai-Poster an der Tür, um zu wissen, was mich dahinter erwarten würde.

dav
Teilweise glich das Kaufhaus eher einem Museum…

Der Weg nach unten war jedoch nicht wenig merkwürdiger, als der nach oben. Die Treppen nach unten waren an der Außenwand des Gebäudes angebracht und obwohl sie mit Netzen gesichert waren, war es doch ein merkwürdiges Gefühl knapp 70m unter sich sehen zu können.

sdr
Ausblick von den Außentreppen.

Alisa wollte noch unbedingt in einen anderen Laden gehen, in dem es vor allem Mangas zu kaufen gab. Was wir nicht wussten, es gab genau zwei gleichaussehende Läden nebeneinander: Einen für Frauen und einen für Männer. Wir gingen direkt in den ersten Shop hinein und fuhren bis in die oberste Etage. Dort wurden wir das erste Mal stutzig. Wir waren direkt in einer Hentai-Abteilung herausgekommen und im gesamten Gebäude roch es merkwürdig. Auf dem Weg nach unten, studierte ich im Treppenhaus noch den Lageplan, während Alisa schon dabei war in den nächste Raum hineinzugehen. In diesem Moment gab es ein (wirklich) lautes und langgezogenesFurzgeräusch und als ich mich umdrehte, sah ich Alisa entsetzt zwei Schritte zurückhüpfen. Ein etwas dicklich aussehender Japaner drehte sich zu uns um und schien uns jetzt erst zu bemerken. Über sein Gesicht fuhr ein panischer Ausdruck und er lief schnell in die andere Richtung. Nachdem wir im ersten Moment komplett perplex waren, fingen wir im zweiten Moment schallend an zu lachen. Ich glaube, der Abend war für den armen Kerl gelaufen.

Erst jetzt fielen uns die peinlich berührten Blicke der Männer neben uns auf und wir merkten das etwas falsch war. Wir verließen rasch das Gebäude und bemerkten nun das gleichaussehende Kaufhaus direkt nebendran. Dort war es sofort angenehmer und es waren auch keine furzenden Otakus in der Nähe!

Abgesehen davon das ich die Sachen auch nach Deutschland bringen muss, hat sich der Kauf doch gelohnt. Während in Deutschland ein eues Manga etwa

Als wir in Akihabara die wichtigsten Läden abgeklappert hatten, stand zum Abschluss noch der Second-Hand-Bookstore auf dem Plan. Hier werden sowohl neue, als auch gebrauchte Bücher und Manga für einen Spotpreis verkauft. Wie gesagt, ich hatte mir vorgenommen am Anfang nicht zu viel Geld auszugeben. Dieser Vorsatz war 10 Minuten später in Luft aufgelöst. Ich verließ den Laden mit einer kichernden Alisa und 13 Mangas in der Tüte. Zu meiner Verteidigung muss ich jedoch sagen, dass es lediglich die fehlenden Mangas einer meiner Lieblingsreihen „Gakuen Alice“ waren, die in Deutschland nicht mehr produziert werden und nicht aus Japan importiert werden können. Außerdem hatte ich das erste und letzte Band meiner abgeschlossenen Lieblingsreihe Fairy Tail geholt. Nachdem ich das letzte Kapitel in 15 verschiedenen Übersetzungen gelesen hatte, wollte ich es jetzt auf Japanisch selbst übersetzen.

Abgesehen davon das ich die Sachen auch nach Deutschland bringen muss, hat sich der Kauf doch gelohnt. Während in Deutschland ein eues Manga zwischen fünf bis sieben Euro kostet, bekommt man die meisten hier für unter drei Euro.

sdr
Bei Nacht verwandelt sich das Viertel in ein Lichtermeer!

Den gelungenen Shopping-Abend beendeten wir bei unserem Lieblings-Curry neben unserem Wohnheim. Nomnomnom!

 

2 Gedanken zu “Tokyo im Kontrast

  1. Hallo,
    in Japan scheint es seltsam und witzig zugleich zu sein. Mir ist erst gar nicht aufgefallen, dass die Steinplatten so angeordnet sind, dass es schwierig ist, sie alle mitzunehmen. Studierst du Kunst? Was ist ein Maid-Cafe?
    Viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo zeichenschueler,
      danke für deine Nachricht! Ich interessiere mich sehr für Kunst, aber habe es nur ein Semester studiert und dann gewechselt. Meiner Liebe dazu hat es allerdings keinen Abbruch getan! 🙂
      Zum Thema Maid-Cafe werde ich nochmal einen Extra Artikel machen. Die Kurzfassung lautet: Es ist ein Cafe oder ein Restaurant, wo sich die KellnerInnen meistens als Dienstmädchen verkleiden. Es ist eine Art Rollenspiel und besonders bei Fans von der Anime- und Mangaszene beliebt!
      Liebe Grüße, Sonja!

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s