Erstmal Überblick verschaffen!

Ich würde jetzt gerne schreiben, an meinem ersten Morgen in Tokyo bin ich früh und ausgeschlafen aufgewacht. Ich habe in aller Ruhe gefrühstückt und bin dann noch eine Runde durch das Viertel joggen gegangen. Schreib ich aber nicht. Wäre gelogen. Eiskalt verpennt habe ich.

Die Nacht zuvor hatte ich einige Stunden wachgelegen und bin erst gegen 4h nachts weggedämmert. Der ursprüngliche Plan war, um halb sieben aufstehen – daraus wurde dann 11h mittags und geweckt hat mich nicht mein Wecker, sondern Amanda aus meinem Wohnheim. Und das in einem Land, wo Langschläfer als faule Menschen betrachtet werden. Tztztz.

Sie hat jedenfalls nur gegrinst und mich eingeladen zum Curry-Essen mitzukommen und danach zum Asakusa Kannon Tempel zu fahren. Essen und Tempel klangen perfekt. Innerhalb kürzester Zeit saßen wir dann auch schon im Restaurant und haben unsere Bestellung geordert. Ich muss noch herausfinden, ob es in Restaurants immer so ist, aber wir haben eine Kanne Wasser kostenlos zum Essen bekommen. Könnte man auch mal in Deutschland einführen, wie ich finde. Übrigens ist es bei Japaner üblich kein Trinkgeld zu geben, denn die verstehen den Sinn dahinter gar nicht: Der Kunde ist immer König und der Service ist für sie im Preis inbegriffen. Und: In Japan wird nie direkt am Tisch gezahlt, sondern immer erst am Ausgang an der Kasse. Da bin ich mir jetzt relativ sicher, dass das Standard ist!

Nach dem Essen ging es dann mit unserer geliebten Bahn nach Asakusa. Das Viertel ist ebenfalls sehr bunt und lockt viele Touristen an. Vor dem zweiten Weltkrieg haben in diesem Bezirk hauptsächlich Künstler, Geishas, Gangster und Kurtisanen gewohnt. Dadurch hatte es lange Zeit als Tokyos „Schlimmes Pflaster“ gegolten. Mittlerweile ist davon aber nichts mehr zu bemerken. Die „Geishas“, die man dort heute antrifft, scheinen überwiegend chinesische Touristinnen zu sein, die sich extra für den Selfie-Shoot vorm Tempel verkleidet haben.

sdr
Hinter Asakusa erhebt sich majestätisch der Tokyo Skytree!

Den Weg dorthin kann man auch nur schwerlich verfehlen. Kaum ist man an der Asakusa Station ausgestiegen, folgt man einfach dem Touristenstrom. Dank diesem wird man direkt und sicher an das große Tor geführt, dem Kaminarimon (雷門) oder auch das „Donnertor“ genannt. Ein riesiger Torbogen, der als Wahrzeichen von Asakusa gilt und in dessen Mitte sich die Touristen nur so tümmeln! Geht man durch das Tor hindurch, gelangt man auf eine längere Einkaufsmeile, die wie ein großer Souvenirmarkt aufgebaut ist: Die Nakamise Dori. Diese Meile verbindet das erste Tor mit dem zweiten Tempeltor, dem Hozomon. Rechts und links finden sich überall Verkaufsstände mit allerlei japanischen Kleinigkeiten. Marktschreier preisen ihre Ware an, aus den Lautsprechern kommt altjapanische Musik und in der Luft vermischen sich die Düfte von allen möglichen Gerichten.

sdr
Die Souvenirmeile Nakamise Dori!

Ist man am Ende des Marktes angekommen und hat das zweite Tor durchquert, erhebt sich vor einem der Asakusa  Tempel. Auf dem Vorplatz befinden sich ein traditionelles Reinigungsbecken, kleine Läden in denen man Wahrsagungen und andere Werkzeuge für die Rituale, kaufen kann.

sdr
Der Hauptplatz vorm Tempel. Hinten lassen sich Rauchschwaden erkennen.

Unübersehbar sind die vielen Rauchschwaden, die sich über den gesamten Platz ziehen. Es brennt in den Augen und riecht süßlich nach Räucherstäbchen. Sucht man nach dem Ursprung, merkt man schnell das er im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit liegt. Die Japaner stehen dort dicht gedrängt um ein brunnenähnliches Gebilde, dem sogenannten Jokoro. In der Mitte befinden sich Räucherstäbe, deren Enden in die Erde gesteckt wurden. Die Menschen versuchen sich im Rauch einzuhüllen und ihren gesamten Körper damit zu bedecken. Die Gründe dafür, lassen sich im buddhistischen Glauben wiederfinden. Vor knapp 400 Jahren wurden Räuchergefäße aus China importiert, als man von Buddhisten erfahren hatte, dass man Körper mit Hilfe von Rauch von innen reinigen könnte. Seit damals glauben die Japaner fest daran, dass dieses Ritual einen heilenden Effekt hat. Viele halten auch den Kopf über die Räucherstäbe, da sie hoffen somit klüger zu werden. Ich lasse letzteres mal unkommentiert.

Mit dem Rauch soll der Körper gereinigt werden.

Läuft man weiter die Treppen hoch zum Schrein des Tempels, gelangt man in eine kleine Halle, an der sich eine kleinere Absperrung befindet. Die Japaner versammeln sich hier am Rand, werfen 5-Yen-Münzen hinein und beten ein kurzes (oder auch mal längeres) Dankgebet. Auch Touristen können dieses Ritual machen, solange sie dem Ort Respekt zollen.

dav
Hier werden 5-Yen-Münzen als Opfergaben an die Gottheit Kannan in das Becken geworfen.

Wie viele andere Tempel, hat auch der Asakusa Tempel eine lang zurückliegende Legende. Laut dieser haben einst einmal zwei Fischer eine Satue von der Gottheit Kannon aus dem Fluss Sumida an Land gezogen. Sie haben sie sofort wieder versenkt, doch die Statue kam immer wieder zu ihnen zurück. Die Menschen haben das als ein Zeichen der Götter gedeutet und Kannon zu Ehren den Sensōji erbaut. Der Bau wurde im Jahr 645 vollendet und ist heute somit der älteste Tempel in Tokyo!

dav
Obligatorisches Touri-Selfie! Man beachte den Hintergrund!

Nachdem wir uns den Tempel in Ruhe angesehen haben und uns etwas durch die Souvenirmeile treiben gelassen haben, sind wir dann in eine der Seitenstraßen abgedriftet. Es ist eigentlich egal wo man hingeht, es gibt überall etwas zu entdecken!

sdr
Warte… ist das..JA! Es ist Karpador!

Beispielsweise haben wir einen Stand gefunden, an dem es ein süßes Gebäck in der Form eines Karpadors zu kaufen gibt. Es ist mit Roter-Bohnen-Paste gefüllt und schmeckt genauso süß, wie es aussieht! Ich hab es allerdings nur bei Nadja probiert, da ich selbst kurz zuvor einen Stand mit meinem geliebten Melonenbrot ausgekundschaftet habe. Das kann ich unbesorgt jedem weiterempfehlen, da es für die meisten Deutsch-verwöhnten-Gaumen auch genießbar ist!

Nach dieser großartigen Verköstigung sind wir weiter durch die Straßen gezogen, bis wir auf einmal von links mit großen Augen angeguckt wurden. Nadja und ich sind fast gleichzeitig laut japsend in die Höhe gesprungen: Eine Eule am Wegesrand. Es stellte sich heraus, dass sie der Star eines kleinen „Eulencafe“ war und nach kurzer Beratschlagung war klar: Wir mussten da rein.

Oben angekommen war die Freude dann leider schnell verflogen. Die Tiere wurden in viel zu kleinen Käfigen und unwürdigen Bedingungen gehalten. Viele saßen nur noch apathisch in der Ecke. Es war natürlich schön mal einer Eule so nah zu sein, aber unter diesen Umständen war das einfach nicht annehmbar. Weder für uns, aber vor allem nicht für die Tiere. Falls ihr daher also einmal nach Akasuka kommen solltet, würde ich euch ans Herzen legen, diesen Ort nicht zu besuchen.

Nach diesem Schreck sind wir dann noch ein paar Straßen ziellos weitergelaufen und standen auf einmal vor einer großen Glastür. Mehrere Sekunden Schweigen. Dann gleichzeitig „Is it a Game hall ?!“ und – reinstürmen!

dav
Obwohl es verhältnismäßig leer war, war der Lärmpegel enorm!

Ich kann es nun bestätigen! Nach allem was ich gehört habe, kann ich nun aus eigener Erfahrung sagen: Es platzt einem fast das Trommelfell! Von draußen merkt man nichts, aber sobald man durch die Türen eintritt, explodieren Geräuschkulissen von allen Seiten! Mittendrin stand eine Maschine, die mir aus Düsseldorf bereits wohlvertraut war und die ich auf meiner To-Do- Liste für Japan sehr weit oben angesetzt habe: Ein Purikura-Fotoautomat!

Die Automaten sind nicht mit unseren deutschen Passbildautomaten gleichzusetzen. Sie sind eher als Unterhaltung für Freunde gedacht und das lässt sich auf den Fotos sehr schnell erkennen. Nachdem man auf einem Bildschirm das spätere Bildmuster festgelegt hat, geht es zuerst nach rechts in die Fotobox. Dort werden innerhalb von (ich glaube) 100 Sekunden verschiedene Fotos geschossen, von denen man sich eine bestimmte Auswahl aussuchen darf. Die Anzahl und die Art der Bilder variiert dabei übrigens von Maschine zu Maschine. Hat man sich auf eine Auswahl geeinigt, verlässt man die Fotobox und beeilt sich auf die andere Seite des Automaten zu kommen, die Deko-Box. Hier werden die Fotos nochmal auf einem Bildschirm angezeigt und innerhalb von (ich glaube) weiteren 100 Sekunden kann jeder mit seinem Stift auf den Bildern herumzeichnen und Sticker setzen, so viel wie man möchte. Am Ende werden die Fotos ausgedruckt und normalerweise gibt es für jeden dabei einen eigenen Abzug!

dav
Mein erstes Purikura in Japan – Es werden sicherlich noch viele folgen!

Wieder gut gelaunt haben wir uns zurück auf den Weg zum Donnertor gemacht. Auf dem Weg dorthin haben wir unseren nächsten Wegpunkt entdeckt: Den Tokyo Skytree! Schnellen Fußes ging es dann einmal quer durch das Viertel, damit wir noch rechtzeitig den Sonnenuntergang von oben sehen konnten.

dav
Überall in Japan findet man irgendwelche verrückten oder niedlichen Figuren.

Der Tokyo Skytree ist nach eigenen Angaben mit 634m der höchste Turm der Welt (Psst…, eigentlich ist es der Burj Khalifa in Dubai, mit knapp 830m….aber nicht den Japanern weitersagen)! Innerhalb von einer halben Minute wird man auf die Plattform in 350m Höhe gebracht und kann dort einen Rundumausblick auf Tokyo genießen!

dav
Was das Gebäude da mit der Karotte auf dem Dach ist, haben wir leider noch nicht herausgefunden..

Wir waren neugierig gewesen und hatten ein festes Ziel: Ist das Wetter gut genug um den berühmten Fuji-Sama in der Ferne zu sehen? Kurz darauf die Gewissheit: JA! Wir hatten Glück! Weit am Horizont, aber deutlich zu erkennen, zeichnete sich der gigantische Berg deutlich ab. Die Stadt vor ihm war in das warme Licht der untergehenden Sonne eingetaucht. Der ganze Moment hatte etwas Magisches an sich und ließ sogar die Aufzugswärter kurz inne halten und den Ausblick genießen.

dav
Fuji-Sama und Tokyo im Licht der untergehenden Sonne…hach!
dav
Hier wohne ich übrigens, irgendwo da neben dem Fluss!
sdr
Ist doch gar nicht so hoch -oder?!

Weniger zauberhaft ging es mir dann, als wir kurz darauf aus dem Turm heraustraten und die Stufen runtergingen. Einmal nicht aufgepasst und schwubbs! Lag ich die Treppen unten. Halb so schlimm würde ich sagen, aber mein Bein ist tatsächlich etwas in Mitleidenschaft gezogen worden. An dieser Stelle nochmal ein besonderer Dank an meine Tante, die trotz meines Beteuerns („Mir is die letzten Jahre auch nix passiert, warum sollte mir da was passieren?!“) dennoch darauf bestanden hat, dass ich Salbe und Verbandszeug mitnehme. Ja, Elly. Du hattest recht.

Jedem anderen würde ich auch absofort immer wärmstens empfehlen eine Reiseapotheke mitzunehmen! Achja und keine Sorge: Bein ist noch dran!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s