Welcome to Tokyo!

Eins vornweg: Ich habe Internet in Tokyo! Mehr schlecht als recht, aber es funktioniert!

Nachdem ich eine Anreise von circa 24 Stunden hatte, die mich über Frankfurt und Amsterdam geführt hat, bin ich schließlich gestern Morgen um halb zehn in Tokyo-Narita gelandet. Direkt am Flughafen die erste Überraschung:

Stille. Im ganzen Flughafen war es angenehm leise und aus den Lautsprechern wurde gedämpfte fernöstliche Musik abgespielt. Niemand redete und wenn doch, hielt er sich die Hand vor den Mund und flüsterte. Etwas unheimlich für deutsche Verhältnisse, aber sehr angenehm.

Die Beschilderung im Flughafen war glücklicherweise sowohl auf Japanisch, als auch auf Englisch, wodurch die Chance sich zu verlaufen gleich Null war. Hätte man sich dennoch verirrt, wäre auch das kein Problem gewesen, da es überall begeisterte Japaner gibt, die einem ungefragt wieder auf den richtigen Weg bringen. Auch zur Passkontrolle wurde ich von einem älteren Mann fast panisch durch den halben Flughafen gelotst, um auch ja nicht in der Schlange für Japanische Pässe zu landen (hätte gewiss fatale Folgen gehabt). Der Typ an der Kontrolle selbst war sehr entspannt und wollte nur wissen was ich vorhabe und ob ich schonmal einen terroristischen Anschlag versucht hätte. Nachdem ich gewissenhaft geantwortet und letzteres verneint hatte, durfte ich auch schon weitergehen.

Getränke
Überall stehen diese Automaten herum.

Nach kurzem Warten am Gepäckband kam die Erleichterung: Mein geliebter Koffer hatte es auch wohlbehalten nach Japan geschafft! Also gleich weiter am Zoll vorbei, der jeden Fluggast einzeln kontrollierte und sich von jedem die Taschen zeigen ließ, und ab durch den Ausgang nach Tokyo!

An der Absperrung wartete bereits eine Dame von der Nihon Uni, die einen Zettel zur Erkennung hochhielt und – nachdem ich direkt auf sie zusteuerte- mir begeistert winkend entgegenkam. Sie erklärte mir die wichtigsten Formalitäten, zeigte mir die Geld-Wechselstube, begleitete mich beim Ticketkauf und setzte mich anschließend in den richtigen Bus nach Ichinoe. Ich glaube, ohne sie hätte ich noch eine lange, lange Zeit am Flughafen verbracht…

Bei der Fahrt in die Innenstadt (der Bus hatte Wlan UND USB Ladestationen!) konnte ich mir einen ersten Eindruck von Tokyos Vororten machen und von weitem den Tokyo Skytree sehen. An der Bushaltestelle wurden ich und ein anderes Mädchen, welches sich später als Nadja aus Dänemark vorstellte, von unserem Wohnheimleiter abgeholt. Er brachte uns lächelnd ins Wohnheim und zeigte mir auf dem Weg dorthin ganz begeistert ein Volkswagen-Automobilhaus „Look! Deutsch! Good!“ Ja, hat mich gefreut.

Im Wohnheim begrüßten uns direkt die anderen Mädchen und eine Amerikanerin namens Amanda, zeigte uns das Haus und erklärte uns alle Regeln. Im Anschluss bekamen wir beide unsere Zimmer gezeigt und – OH MEIN GOTT- mein Zimmer ist SO niedlich! Vielleicht liegt es auch an meiner Euphorie, aber ich finde dieser Raum (so winzig er auch sein mag) hat alles, was man zum Wohnen braucht: Bett, Schrank, Regal, Schreibtisch + Stuhl, Telefon, die heißgeliebte Japanische Klimaanlage (wir sind langsam dabei uns anzufreunden) und einen kleinen Balkon zum Wäschetrocknen. Bei Gelegenheit werde ich auch ein paar Fotos vom Zimmer machen, wenn ich es etwas dekoriert habe.

dav
Erster Eindruck vom Zimmer

Lange Zeit zum Auspacken hatte ich nicht, die anderen Mädels standen bereits wieder in der Tür und luden mich ein mit zur Uni nach Ichigaya zu kommen, um mir und Nadja alles zu zeigen. Also auf in die Stadt!

Vom Bahnkartensystem und den verschiedenen Zuglinien werde ich ein anderes Mal schreiben, nur eine Sache muss erwähnt werden: Die japanischen Züge (von ihrer Pünktlichkeit ganz abgesehen) sind unwahrscheinlich sauber, wirken dabei aber nicht steril, sondern supergemütlich und es herrscht eine Ruhe, dass man denkt man befindet sich im eigenem Wohnzimmer. Außer zur Rush Hour sind die meisten Züge auch nicht überfüllt, da alle paar Minuten welche fahren.

In Ichigaya wurde uns kurz das Verwaltungsgebäude von innen und die Uni von draußen gezeigt, bevor wir weiter zum Yasukuni-Schrein gegangen sind. Der Schrein soll an gefallene Soldaten erinnern, die seit der Meiji-Zeit im Krieg gestorben sind. Außerdem werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt, was China offenbar weniger gefällt.

sdr
Der Yasukuni-Schrein

Auf einem Aushang im Park hab ich gelesen, dass viele junge Soldaten mit den Worten „やすくに の さくら の した で あおう (yasukuninosakuranoshitaaou)“ Abschied genommen haben. Ich glaube, er bedeutet „Wir treffen uns unter den Kirschblüten des Yasukuni-Schreins“ und sollte dafür dienen, um sich gegenseitig Hoffnung zu machen, dass man den anderen wiedersieht (spätestens ihre Seelen im Jenseits).

sdr
Besagte Kirschbäume. Übrigens ein sehr beliebter Ort für das Kirschblütenfest!

Alles rund um Tempel und die Verhaltensweisen dort, werde ich mir für einen Blogeintrag an einem anderen Tag aufheben!

dav
Neujahrwünsche der Japaner

Nachdem wir uns im Anschluss im Starbucks etwas zur Stärkung geholt hatten (der Starbucks-Mensch war supernett und hat, als er gemerkt hat das ich Deutsche bin, sogar ein paar Worte auf Deutsch herausgebracht „Willkommen in Japan“ und „Ich wünsche schönen Tag“…

…ging es dann stilecht mit einem Matcha-Latte weiter nach Shibuya! Dort angekommen bin ich erstmal zur Statue meines persönlichen Helden gelaufen: Hachiko!

Hachiko
Kleiner Fangirl-Moment…
Hinter den Kulissen
…und das war die Menschenansammlung vor Hachiko. Berühmter, als ich dachte!

Shibuya hat mich sprachlos gemacht. Es war tatsächlich genauso wie ich es mir immer vorgestellt hatte, was nichts daran ändert, sondern eher bestärkt, dass ich wahrscheinlich pleite aus Japan zurückkommen werde…

Shibuya
Endlich in Shibuya!

Immerhin wird es zumindest meine Eltern sehr freuen zu hören, dass ich meine Selbstgeißelung von wegen in der ersten Woche in Tokyo nur 35,-€ für Nonsense auszugeben, stets präsent halte und am ersten Tag nur Katzen-Essstäbchen und Hundepfötchen-Gummibärchen gekauft habe!

Nachdem wir in Shibuya etwas durch die Straßen gebummelt sind, kamen wir pünktlich zum Abendessen ins Wohnheim zurück. Den Abend habe ich zum Großteil damit verbracht irgendwie Internet zu bekommen. Pro Zimmer gibt es ein IP Kabel und die Steckdosen haben verschiedene Spannungen. Japan hat, wie ich nun weiß, eine Netzspannung von 100 Volt bei einer Frequenz von 50 / 60 Hz. Ich weiß das nun, da deutsche Steckdosen via Adapter nicht einfach mal so damit harmonieren. Mit viel handwerklichem Geschick (und noch sehr viel mehr Glück und Zufall) habe ich nun eine Konstruktion hergestellt, die meinen Laptop mit Strom versorgt. Daher werde ich in Zukunft erstmal nur via Facebook in den Abendstunden, äh in Deutschland in den Mittagsstunden, erreichbar sein! An einer Ersatzlösung arbeite ich noch! Für jeden der nach Japan möchte empfiehlt sich… ein abgeschlossenes Ingenieurstudium mit Schwerpunkt Elektrotechnik…ähem, ne, vielleicht einfach mal im Elektronikmarkt nachfragen.. ich denke das würde schon sehr helfen. Ohja.

Garten
Auch das ist Tokyo: Garten in Ichigaya
sdr
Am Hintergrund erkennt man, dass man dennoch in einer Großstadt ist.

Ein Gedanke zu “Welcome to Tokyo!

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